 |
Paris in den 20er Jahren – der glücklose Schauspieler André heuert aus purer Geldnot bei einem sehr seltsamen Unternehmen an. Für 500 Francs im Monat plus freie Kost soll er in einer neuen Touristenfalle mit kriminellem Thema in gestellten Keilereien den taffen Verbrecher mimen. Trotz seines eher unbedarften Aussehens ernennt ihn der Chef der „Roten Katze“ gleich mal zum „Anführer“ der gedungenen Pseudoschlägerbande. Als solcher gewinnt er gleich mal die Aufmerksamkeit von Gloria Jefferson, Tochter reicher Amerikaner auf Europa-Tournee und verliebt sich in das Mädel. Papa Jefferson ist allerdings nicht nur reicher Ami, sondern auch Besitzer des überaus wertvollen Halifax-Diamanten, hinter dem die halbe Pariser Unterwelt her ist, inklusive Pitou, der sich in der Maske eines reichen Marquis bereits an die Jeffersons rangeschmissen hat. In André wittert Pitou einen Rivalen – nicht primär um die Gunst des Mädchens, sondern um den Diebstahl des Edelsteins. Darum verfällt er auf den genialen Gedanken, André als Komplizen zwangszuverpflichten, wobei Andrés schauspielerischem Talent eine gewichtige Rolle zufällt. Dennoch geht der Coup schief – zwar ist der Diamant weg, aber niemand hat ihn! André muss alle Register seines Könnens ziehen, um den Stein wiederzufinden, ihn unauffällig zurückzugeben, Glorias Herz zu gewinnen und nebenher noch Pitous Nachstellungen – denn selbstverständlich glaubt der echte Verbrecher, André hätte den Diamanten beiseite geschafft – zu entgehen… Hilarity ensues…
Der Film: Theoretisch könnte man natürlich meinen, in Deutschland bzw. dem, was davon übrig war, hätte man 1948/49 andere Sorgen gehabt als das Drehen von gar lustigen Unterhaltungsfilmen, auf der anderen Seite ist blanker Eskapismus natürlich gerade zu solchen Zeiten schwer gefragt. Heinz Rühmann, der das deutsche Kinopublikum schon die, äh, „schönsten“ Kriegsjahre durchlachen liess (seine Rolle im Unterhaltungsapparat des Dritten Reichs wollen wir mal außen vor lassen, wenngleich ich seinen Bruchpiloten Quax immer noch für einen unerträglichen Propagandaschinken halte), fühlte sich berufen, das Volk der westlichen Besatzungszonen 90 Minuten lang vom Nachkriegselend abzulenken und erinnerte sich deshalb an einen – zumindest mir völlig – unbekannten 1931er-Schinken, den er unter der Regie von Helmut Weiss („Die Feuerzangenbowle“, „Drei Mann in einem Boot“, „Donnerwetter! Donnerwetter! Bonifatius Kiesewetter!“) neu auf die Leinwände brachte (übrigens meldet sich der auf DVD befindliche Print unbescheiden mit „ein Heinz Rühmann Film“, obgleich sich Rühmanns kreative Beteiligung meiner Recherche nach auf das Spielen der Hauptrolle und das Spendieren der ein oder anderen Besatzungsmark als Produzent beschränkte). Ob das ganze Unterfangen kommerziell ein Erfolg war, kann ich nicht eruieren, tut aber auch nicht viel zur Sache (nur soviel: wenn's wirklich ein Renner gewesen wäre, würde der Film heutzutage nicht aufm Grabbeltisch verkloppt).
Das Drehbuch von Helmut Weiss, das interessanterweise (oder auch nicht) die 31er-Fassung nicht kreditiert (die Charakternamen sind aber identisch, inwiefern die Neufassung das Prozedere entscheidend abändert, ist mir zumindest nicht überliefert), fabuliert auf seiner ziemlich abseitigen Prämisse (eine Kneipe, in der zahlender Kundschaft „authentisches Gangsterleben“ inklusive Mord & Totschlag vorgespielt wird, dünkt mir nicht wirklich eine monetäre Goldgrube zu sein) schlüssig weiter und spinnt die notwendigen Irrungen und Wirrungen, um eine zünftige Verwechslungskomödie, in der quasi jeder Protagonist irgendwann mal für den Diamantendieb gehalten, von der Polizei verfolgt oder gar eingeknastelt wird, routiniert, ohne auf völlig abstruse Winkelzüge zurückgreifen zu müssen. Positiv zu vermerken und einen Gutteil zum Gelingen des Films beitragend sind ohne Zweifel die spritzen Dialoge, die man in derart teilweise scharfzüngiger Pointiertheit vom deutschen Nachkriegs-Gute-Laune-Kino, das sich in den 50er Jahren ja kampflos den Heile-Welt-Heimat- und Schlagerfilmchen ergab, nicht erwarten musste. In der Tat findet der Streifen, nach einer etwas zu langwierigen Setup-Phase, in der Rühmann auch mal wieder ein paar Dreikäsehöchern ein Liedchen trällern darf, das richtige Maß zwischen Situationskomik, Wortwitz und dosiert eingesetztem (aber eher mäßig realisiertem) Slapstick, wobei letztere Elemente, wie schon angedeutet, nicht die Highlights sind (da Rühmann sicher nicht einer der größten physischen Komiker der Filmgeschichte ist).
|
|
 |
|