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Joey Chambers ist ein typisches "vernachlässigtes" upper-class-Kid - seine Mutter hängt an der Flasche und kennt Entziehungskliniken besser als ihr Wohnzimmer, Papa ist vor lauter Golfen mit Geschäftsfreunden scheinbar entgangen, dass er einen Sohn hat. So amüsiert sich Joey mit Autoklaus für die Mafia, um sich seinen Drogennachschub zu finanzieren. Dumm nur, dass Daddy gar nicht so unaufmerksam ist wie gedacht - per Privatdetektiv hat er seinen Junior überwachen lassen und sorgt nun dafür, dass dieser ganz uncharmant eines Nachts von zwei gedungenen Gorillas aus der Schlafstube gezerrt und zu einem Spezialprogramm für jugendliche Problemfälle abkommandiert wird. In der Wildnis Utahs sollen die insgesamt neun unglückseligen Gestalten unter der spirituellen und tatsächlichen Führung dreier Indianer (naja, zweier echter native americans und einem "ehrenhalber") nicht nur ihre Körper entgiften, sondern auch im Rahmen einer urwüchsigen "Gruppentherapie" durch den alltäglichen Überlebenskampf in der Wüste "zu sich selbst" finden. Während einige der Kids über die Wochen hinweg durchaus Gefallen an der ganzen Sache finden und sich ihre diversen mehr oder weniger tragischen Backgrounds entfalten, planen die drei ganz besonderen Tunichtgute Webber, Strut und Chelsea unverdrossen ihre vorzeitige und unerlaubte Abreise. Als der Trupp einem Tross Touristen - mit eigenem Schlauchboot - über den Weg läuft, halten die Fluchtwilligen ihre Stunde vor gekommen, aber natürlich nur, um sich im reißenden Wildwasser in Schwierigkeiten zu bringen. Es liegt an Joey, heldenhaft einzugreifen...
Der Film: Wenn man, durchaus wissend, was man da gerade getan hat, beim Real an der Kasse die gerade ausgesuchte "Best-ACTION-Collection" in der schnieken Metallbox am Scanner vorbeischieben lässt, ist einem durchaus klar, worauf man sich eingelassen hat. Wer 8 Filme auf 2 DVDs für zehn Euronen vertickt, wird nicht unbedingt "Fluch der Karibik" oder James Bond auf die Silberlinge gepresst haben - wir wollen ja schon froh sein, wenn wenigstens ein paar der Streifen unter die Kategorie "Action" einzusortieren sind (der einzige quality movie der Kollektion, Cronenbergs "Die Unzertrennlichen", ist ja sicher alles mögliche, aber ganz bestimmt KEIN Actionfilm).
Und so entpuppt sich der mit einem wenigstens reißerischen Klappentext versehene "Last Resort", der sich im richtigen Leben, also im Vorspann, mit dem deutlich biederen deutschen Titel "Camp der Abenteuer" meldet, denn auch als ernst gemeintes, dabei durchaus moralinsaures Jugenddrama mit Abenteuereinschlag. Aus dem Thema "jugendliche Pseudo-Straftäter 'dürfen' Survival-Training in der Wildnis" absolvieren, hätte man natürlich auch einen zünftigen Reißer stricken können (und so manch einer hat das ja auch getan, zuletzt in "Wilderness"), aber Regisseur Lymon Dayton geht's hier nicht um spekulativen Remmidemmi, sondern um, hüstel, "pädagogisch" gehaltvolles Familienkino, in dem die "richtigen" Werte hochgehalten werden (und in dem die Eltern, so unsympathisch-verständnislos sie auch gezeichnet werden, am Ende doch "Recht" haben). Ein wenig unglücklich strukturiert ist das Drehbuch, das zunächst auf Joey als Hauptfigur abstellt, dann aber doch das Ensemble relativ gleichmäßig in den Mittelpunkt rückt (was Joeys voice-over-Erzählerstimme als "Tagebuch" streckenweise etwas gezwungen wirken lässt, weil er in der Handlung selbst keine herausragende Figur ist) - ich denke, das kommt hauptsächlich daher, weil Dayton den "spektakulären" Autodiebstahl als Teaser hernehmen wollte; mehr Sinn hätte es gemacht, mit der Ankunft der Kids anzufangen und dann, wie bei allen anderen Figuren auch, Joeys Background ebenfalls per Flashback abzuhandeln (ja, dies ist mal ein seltener Film der Sorte, in dem Flashbacks durchaus sinnvoll eingesetzt werden). Die Story entwickelt sich ohne große Überraschungen (und die Tatsache, dass die deutsche Version ganz erheblich gekürzt wurde, hilft nicht immer weiter, sondern sorgt für teilweise deutlich spürbare Handlungssprünge. Ich will der IMDb die dort rapportierten 130 Minuten uncut-Laufzeit nicht glauben, aber dass ein Viertelstündchen draufgegangen sein könnte, möchte ich nicht ausschließen) und über weite Strecken auch ohne große Höhepunkte; mehr als einmal wird durch Montagen der Fortschritt der Kids in den verschiedenen Survival-Disziplinen dargestellt - erst im letzten Drittel gewinnt der Streifen auch dramaturgisch-kinematisch deutlich an Fahrt (natürlich dann, als Webber & Co. sich zur Flucht entschließen).
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