07.12.2006 - Es ist die Zeit, in der der Niedergang einer der ältesten und geheimnisvollsten Hochkulturen aller Zeiten bevorsteht: der Maya. Bis heute birgt diese Zeit offene Fragen und ungeklärte Geheimnisse. Die Eroberung Mexikos und Zentralamerikas durch die Spanier besiegelt endgültig den Untergang dieses hochzivilisierten Volkes. In APOCALYPTO skizziert Gibson die Geschichte eines Mannes aus dem Volk der Maya, der in dieser Zeit um sein Leben kämpft. Nur die Liebe zu seiner Familie und zu seiner Frau gibt ihm die Kraft und den Mut zu bestehen. Mel Gibson legt auch bei APOCALYPTO wieder einen hohen Wert auf Authentizität und inszeniert ein tief bewegendes, mystisches Abenteuer der ganz besonderen Art. Für das Drehbuch zeichnet u.a. Gibson, ähnlich wie bei "Die Passion Christi", verantwortlich. Die Dreharbeiten fanden an Original - Schauplätzen in Mexiko statt. Im Folgenden ein Interview mit Mel Gibson zum Film:
Wie lange hat das Projekt APOCALYPTO insgesamt gedauert?
Vor zweieinhalb Jahren haben wir angefangen das Drehbuch zu schreiben. Der Schnitt war dann der helle Wahnsinn, weil wir kaum Zeit für die Post Production hatten. Da die Dreharbeiten zu diesem Film sehr schwierig waren, hingen wir schließlich um vier Monate hinterher. Das ging schmerzhaft von unserer Zeit für die Post Production ab, so dass wir in kürzester Zeit schneiden und in der Hälfte der vorgesehenen Zeit mischen mussten. Aber ich glaube trotzdem, dass wir gute Arbeit geleistet haben.
Wie schwierig war es für Sie, im Regenwald zu drehen?
Es gibt da einen Typen, der sieht so aus wie ein mexikanischer John Malkovich, und der lässt sein Land völlig unberührt. Er sägt nicht einen Baum um, das ist wunderbar. Es ist ja schlimm genug, dass vom Regenwald in Süd-Mexiko kaum noch etwas übrig ist, aber dieser Mann schützt wenigstens noch einen kleinen Rest. Es handelt sich um circa 20 Hektar. Dort ist man vom Rest der Welt ziemlich abgeschnitten. In diesem Fall hatte man es mit einem Film zu tun, in dem unheimlich viel Bewegung herrscht. Die Kamera fährt andauernd und auch in den Einstellungen gibt es jede Menge Bewegung. Die wenigsten Darsteller hatten je zuvor vor einer Kamera gestanden, und sie mussten die Grundlagen der Schauspielerei erst einmal erlernen. Aber das haben sie dann sehr gut gemacht. Sie haben sich voll darauf eingelassen, was wunderbar war. Das Schöne, wenn man mit Laien arbeitet, ist, dass sie völlig "unverdorben" sind. Es hat zwar ein Weilchen gedauert, aber dann hatten sie den Dreh raus. Gegen Ende der Dreharbeiten waren sie dann schon richtige Profis. Von ihrer Gage konnten sie acht Monate lang die Schulgebühren ihrer Kinder finanzieren, und das ist doch gut. Mir hat es auch Spaß gemacht, weil sie so enthusiastisch waren.
Wie schaffen Sie es, über acht Monate hinweg Ihren Enthusiasmus und Ihre Energie aufrechtzuerhalten?
Na ja, manchmal war das gar nicht so ganz einfach. Dann fängt man einfach an, launisch zu werden und fragt sich bloß noch, wann das hier endlich ein Ende hat. Aber als wir das Drehbuch entwickelten, hatte uns alle der Ehrgeiz gepackt, eine wirklich mitreißende Geschichte zu erzählen, mit allen möglichen versteckten Andeutungen. Die Handlung an sich ist ja eigentlich relativ schlicht, doch was sich dahinter verbirgt, ist ausgesprochen komplex. Da gibt es klare Stellungnahmen zu Kulturen, und wir haben uns auch bemüht, geschichtlich so authentisch wie möglich zu sein. Es war uns wichtig, die Frage mit aufzunehmen, warum diese Zivilisationen untergingen, warum sie schwächer wurden und schließlich zerbrachen.
In Ihrem Film sprechen die Priester davon, den Göttern unmittelbar nahe sein zu wollen.
Genau darum ging es überhaupt. Sie waren auf der Suche nach einem Erweckungserlebnis. Darum haben sie auch diese Pyramiden gebaut, gewissermaßen so eine Art Turmbau zu Babel.
Meinen Sie, dass dieser Film beim Publikum das Interesse an dieser Phase der Geschichte wecken könnte?
Das möchte ich hoffen. Man findet ja jeden Tag mehr heraus. Es ist wirklich erstaunlich. Wir hatten als Fachberater Richard Hansen, einen Professor der UCLA (University of California Los Angeles), der jetzt an der Universität von Idaho lehrt, und dessen Spezialgebiet die Frühgeschichte der Maya ist. Mit ihm sind wir zu den Ruinen gegangen und standen schließlich oben auf den Pyramiden mit Blick auf die Überreste dieser frühen Hochkultur. Es ist umwerfend, es ist wie Manhattan. Dort gibt es die höchsten Pyramiden der Welt, höher als die der Pharaonen in Ägypten. Riesenhafte Bauwerke, von denen aus man einen Blick auf all die antiken Städte hat, mit all den Straßen, die alle auf das Zentrum zulaufen. Die Maya hatten einen ausgeprägten Sinn für Ausgewogenheit. Nichts steht zufällig da, wo es ist, alles hat seinen Bezug zum Firmament. Sie hatten profunde Kenntnisse in Astronomie und einen ausgesprochen komplexen Kalender, wesentlich komplizierter als der unsrige. Eine unglaublich gebildete Hochkultur, die gleichzeitig wiederum erschreckend archaische Züge trug.
Wie war das Wetter während der Dreharbeiten?
Wir haben die Dreharbeiten in die Trockenzeit gelegt, aus leichtverständlichen Gründen. Andererseits waren wir jedoch im Regenwald, also hat es geregnet. Es hieß, dass das um diese Jahreszeit fast nie vorkommen würde. Dadurch verloren wir mindestens einen guten Monat.
Und wie war die Arbeit in dieser kräftezehrenden Hitze?
Nach einer Weile gewöhnt man sich daran. Es dauert zwar ein Weilchen, anfangs macht es einem schon zu schaffen, aber dann merkt man es gar nicht mehr. Man gewöhnt sich einfach an das Schwitzen. Manchmal, wie zum Beispiel in der Szene in der Stadt, da war es allerdings fast unerträglich. Die heißeste Szene im ganzen Film ist die, in der die Gefangenen von dem Felsvorsprung herabhängen. Das war brutal, der reinste Brutofen. Die Hitze wurde gnadenlos von der Gesteinsoberfläche reflektiert, was dazu führte, dass wir 57 C hatten. Man erkennt das auch an den Gesichtern der Schauspieler. Wenn einer an den Felsen hängt, dann sieht man bei dem anderen den Schweiß in Strömen fließen. Das war da heißer als in der Hölle. Wenn ich zu den Schauspielern raufgegangen bin, um ihnen Anweisungen zu geben, bin ich fast umgekippt. Aber zumindest gab's an dem Tag keine Fliegen. Selbst denen war das zu heiß.
Hatten Sie ein spezielles Team, das sich um den Schutz Ihrer Leute vor Insekten und wilden Tieren gekümmert hat?
Ja, wir hatten da ein paar Spezialisten dabei. Wenn man nämlich auf eine Ferdelance, eine gefährliche Giftschlange, tritt, dann kann's das gewesen sein. Das ist die Schlange, die im Film einen der Mayas in den Hals beißt. Wir mussten hinsichtlich Schlangen und Insekten sehr vorsichtig sein. Und dann gab es natürlich noch die kleineren Verletzungen, die der ausgesprochen rauen Landschaft zuzuschreiben sind. Trotzdem hatten wir beschlossen, in Mexiko zu drehen, weil es dort noch den unberührten Regenwald und die Hochebenen gibt, die wir für den Film brauchten.
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