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Dead or Alive: Bernd Eichinger im Interview
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06.10.2006 - Produzent Bernd Eichinger zählt seit Jahrzehnten mit seinem Gespür für innovative Filmstoffe zu den Trendsettern der Filmbranche und gilt als Entdecker neuer Märkte und Genres. Gemeinsam mit Regisseur, Drehbuchautor und Produzent Paul W.S. Anderson und den Produzenten Robert Kulzer und Jeremy Bolt zeichnete Bernd Eichinger in der Vergangenheit für die erfolgreichen Computergame-Verfilmungen "Resident Evil" und "Resident Evil: Apocalypse" verantwortlich, sowie aktuell für "Resident Evil: Extinction" und "Driver". Unter diesen Produktionen fällt DEAD OR ALIVE eine ganz besondere Bedeutung zu, wie Sie in nachfolgendem Interview mit dem Produzenten lesen können.

Wie ist das Projekt DEAD OR ALIVE zustande gekommen?

Diesen Film hatten wir eigentlich bereits während der Produktion von RESIDENT EVIL im Visier. Wir, das sind Robert Kulzer, der das Constantin-Büro in L.A. leitet, Impact-Geschäftsführer Jeremy Bolt und ich. Letztlich kannte ich das Spiel "Dead or Alive" nur vom Namen her, aber wir drei haben uns eingehend mit dem Thema beschäftigt und sicherten uns bald darauf die Verfilmungsrechte. Gerade weil DEAD OR ALIVE nicht so "dark" ist wie etwa die beiden RESIDENT EVIL-Teile, hat es uns sehr gereizt, einmal eine Games-Verfilmung machen zu wollen, in der eben keine dunklen Superheros auftreten, sondern die ein reines Spaßevent werden sollte. Und die zum Hintergrund hat, dass die entscheidenden Protagonisten nun einmal junge Frauen sind. Das ist in diesem Genre ja eine eher ungewöhnliche Vorstellung.

Welche Zielgruppe wird sich für den Film interessieren?

Nun ja, unsere Überlegung war natürlich schon, dass bei einem solchen Sujet mit einer derartigen Besetzung wie in DEAD OR ALIVE eben auch andere Zuschauerschichten jenseits der typisch männlichen RESIDENT EVIL-Gamerklientel gewonnen werden können. Ich denke da vor allem an weibliche Kinogänger, die weniger an martialischen Bildern als vielmehr an einer fantastischen Story à la DREI ENGEL FÜR CHARLIE interessiert sind. Bei so einem Fun-Ride wie DEAD OR ALIVE passiert natürlich alles mit einem gewissen Augenzwinkern gegenüber dem Publikum.

Wie schwer ist für einen Filmemacher, ein bekanntes Game auf die Leinwand zu bannen? Welche Konzessionen muss man dabei eventuell eingehen?

Das kommt ganz darauf an, wie bekannt ein Spiel ist bzw. wie häufig dieses gespielt wird. Und je bekannter dieses ist, desto stärker legen Fans auch Wert darauf, dass die Figuren - ob auf dem Desktop oder auf der Leinwand - ernst genommen werden. Damit meine ich, dass die Leinwandrollen im Allgemeinen wie im Besonderen den Figuren entsprechen müssen, die im Game abgebildet sind. Ich weiß das von mir selbst: Als Jugendlicher war ich (und bin es eigentlich heute noch) ein regelrechter Comic-Freak, der früh u.a. sämtliche Marvel-Hefte verschlungen hat. Und wenn ich heute zurückblicke, so war ich das eine oder andere Mal richtig sauer darüber, wenn ein neuer Zeichner zum Beispiel Kostüme auch nur leicht veränderte oder ein Texter die Charaktere von der Grundidee her verschobenen hat. Das hat mich damals regelrecht abgeturnt, um es Neudeutsch zu formulieren. Daher kann ich sehr gut die Fans der Computer-Games verstehen, die völlig in ihrer Welt aufgehen, wenn sie irgendwelche filmischen Änderungen auf den Tod nicht ausstehen können. Die Charaktere eines Games, weniger noch als die reine Story, müssen daher im Kino auf den Punkt genau wiedergegeben werden. In jedem Game und jedem Comic entsteht ja eine bestimmte Welt - und diese Welt muss ein Filmer oder Drehbuchautor ernst nehmen. Das ist dann auch keine Konzession, sondern vielmehr eine Frage des Respekts. Aber natürlich muss man zugleich einen Film realisieren, der für sich selbst steht. Mehrere Enden wie im Game lassen sich in der Regel nicht produzieren. Das endgültige Filmende muss der Zuschauer daher nicht nur akzeptieren, sondern schlichtweg auch sehen wollen.

Trotzdem lassen sich Game-Inhalte nicht immer 1:1 auf die Leinwand übertragen.

Sicherlich muss man manchmal Elemente in der Handlung verändern. Aber ein Filmemacher muss dabei ganz genau wissen, was er wie verändern will und wie weit er gehen kann. Beim Thema Comics kann ich ein probates Beispiel geben: Wenn Sie bestimmte Superkräfte auch nur in Nuancen verändern, empfinden das die Fans als regelrechten Affront. Ähnlich ist dies bei Video-Games. Klar lässt sich situativ einiges für die Filmhandlung umformen, aber auf der Leinwand muss die Welt, in der das Spiel stattfindet, präzise eingefangen sein. Den einzelnen Figuren muss ihre angestammte Game-Rolle auch dort gewährt sein.

Und dann gibt es natürlich auch Kinogänger, die das Game nicht kennen.

Für die muss der Film genauso funktionieren! Insofern arbeitet man beim Story-Lining ähnlich wie bei einer Romanverfilmung, bei der ebenfalls das Geschehen auch all jene Zuschauer begeistern muss, die die literarische Vorlage nicht kennen. Eines der wesentlichen Kriterien beim Videogame ist ja dessen Interaktivität, die im Kino indes komplett wegfällt. Daher muss man bei einer Verfilmung vor allem etwas hinzufügen: die Emotionalität, die ein Spiel in der Regel nicht oder nur kaum aufweist. Nehmen Sie ein frühes Reaktionsspiel wie "Pac-Man" oder dann später die simplen Baller-Spiele. Hier war Reaktionsschnelligkeit und mithin eine gewisse Form von Interaktivität gefragt, aber die Emotionen blieben außen vor. Im Kino wiederum hat der Zuschauer aber die Möglichkeit, sich emotional mit den dargestellten Figuren zu identifizieren. Bei DEAD OR ALIVE etwa durch die Bruder/Schwester-Episode mit Prinzessin Kasumi oder durch die besonderen Lebensgeschichten der anderen Girls. Nicht zu vergessen bleibt auch die Tatsache, dass sich die Heldinnen zunächst als Rivalinnen gegenüberstehen, aber bald lernen, nur gemeinsam im Kampf bestehen zu können.

Welcher Game-Typ eignet sich besser für eine Verfilmung?

Wie gesagt, beim Filmen geht es immer um Emotionen, da sich die Zuschauer mit den Personen eines Films identifizieren müssen. Ergo denke ich, dass jedes Game, das diese besonderen Vorgaben erfüllt, sich auch besser für eine Kinoverfilmung eignet.

Wie schwierig ist es dann, passende Gesichter für eine Game-Verfilmung zu finden?

Natürlich ist dies wahnsinnig schwierig. Vor allem deshalb, weil man gute Schauspieler finden muss, die sich freiwillig den Torturen eines körperlichen Trainings unterziehen. Hier klappt es eben nicht wie bei anderen Filmprojekten, bei denen man eine Woche vor Drehstart erscheint und dann seinen Part herunterspielt. Bei DEAD OR ALIVE wurden die Schauspieler drei Monate lang hart rangenommen. Und technische Spielereien helfen hier nicht immer weiter, denn auch eine Seilaufhängung muss physisch gemeistert werden. Und die Schwerter, die in unserem Film genutzt werden, unterscheiden sich von echten Kampfschwertern nur dadurch, dass die Klinge stumpf ist. Ansonsten sind das wirklich schwere Waffen, die auch über längere Zeit in der Hand gehalten werden müssen. Also werden für ein derartiges Projekt Darsteller benötigt, die akrobatisch genug sind, die sich freiwillig einem harten Training unterziehen wollen und die gleichzeitig die geforderten Emotionen verkörpern können. Das war in der Tat eine lange Suche!
 
Autor: Frederik W.
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